Wann hast du dich selbst verloren? Deine Authentizität?
In deiner Kindheit? In deiner Jugend?
Als man dir immer wieder gesagt hat, dass du den Mund halten sollst, weil du sowieso keine Ahnung von irgendetwas hast? Weil du frech oder aufmüpfig bist?
Oder als man dich ausgelacht hat, weil du etwas Neues ausprobieren wolltest und damit die Vorstellungskraft deiner (familiären) Umgebung gesprengt hast?
Du willst studieren? Ein Buch schreiben? Ins Ausland? Was glaubst du eigentlich, wer du bist?
Was sie von dir übrig ließen, war das, was sie haben wollten.
Du hast garantiert daraus gelernt, dass du dich besser anpasst. Die Klappe hältst. Keine Fragen stellst. Keine Wünsche mehr äußerst oder gar von deinen Träumen erzählst. Du hast alles tief in dir vergraben, das Leben so fortgeführt, wie andere es für „das Beste für dich“ hielten.
Ja, du warst unglücklich, unzufrieden. Und selbst dafür hat man dir die Schuld gegeben. Was ich heute oft denke? „Erst habt ihr mich zu der Person gemacht, die ich heute bin. Und dann habt ihr mir genau das zum Vorwurf gemacht.“
Und was ist heute mit dir los? Schau mal genau hin. Welches Leben lebst du? Deines? Bist du da ganz sicher?

Wage einen Blick in die Vergangenheit. Was hättest du SO GERN getan? Und hast es nie umgesetzt, weil man dir komplett den Glauben an dich selbst genommen hat? Es tut weh, nicht wahr?
Schau in den Spiegel. Siehst du die Person, die du tatsächlich bist? Oder anders gefragt: Wen würdest du jetzt sehen, wenn man dich „einfach mal hätte machen lassen“, wenn man dich nicht ständig ausgebremst, in der „Normalität“, der „Sicherheit“ festgehalten hätte? Nicht mit Vernunftgründen. Nein. Sie haben dir Angst gemacht. Angst vor dem Unbekannten, vor dem Neuen, vor dem Risiko.
Der Zusammenhang von Manipulation und fehlender Authentizität
„Erst habt ihr mich zu der Person gemacht, die ich heute bin. Und dann habt ihr mir genau das zum Vorwurf gemacht.“
Sie haben dich klein gemacht.
Still gemacht.
Dich gezwungen, an dir selbst zu zweifeln.
Du warst das Kind, das einfach nur sein wollte. Laut, frei, neugierig. Aber sie haben dir gezeigt, dass das falsch ist. Dass du falsch bist. Sie haben dir beigebracht, den Mund zu halten. Dass deine Meinung nicht zählt. Dass du keine Ahnung hast.
Andere hatten immer recht. Du nie.
Und du hast gelernt, leise zu sein.
Hast gelernt, dass es sicherer ist, den Kopf zu senken, keine Fragen zu stellen, keine Wünsche mehr zu äußern. Hast gelernt, dass Träume nur belächelt werden.
Du hast gelernt, dich selbst zu verraten.
Und dann kam dieser Moment.
Der Moment, in dem du plötzlich für dich selbst einstehen solltest.
Als Kind war dein Platz leise und angepasst – aber später, als Erwachsene? Da haben sie es plötzlich erwartet. Authentizität. Stärke.
Jetzt sollte Mut aus dem Nichts entstehen.
Jetzt solltest du deine Meinung sagen. Für dich kämpfen. Entscheidungen treffen. Selbstbewusst sein. Stark sein. Einfach so.
Und als du gezögert hast – weil du verlernt hast, für dich einzustehen, weil du es nie gelernt hattest – kam dieser Satz.
„Du hast doch wohl keine Angst davor?“
Ganz ehrlich: Wem von euch fällt gerade NICHT die Kinnlade runter??
Natürlich hattest du Angst.
Weil sie dich dazu gemacht haben.
Weil sie dich gebrochen haben.
Weil sie dich gelehrt haben, dass du nichts wert bist, dass du nichts weißt, dass deine Wünsche bedeutungslos sind.
Sie haben dich jahrelang klein gehalten. Haben dich mit jedem Wort, jedem Blick, jeder abfälligen Bemerkung immer tiefer in ein Leben gedrängt, das nie deines war.
Und dann stehen sie da und schauen dich an, als wärst du schuld. An deiner Unsicherheit. An deiner Angst. An deiner Unfähigkeit, für dich selbst zu kämpfen. Und sie lachen schon wieder über dich.
„Du hast doch wohl keine Angst?“
Ja. Hattest du. Weil du gelernt hast, dass Angst sicherer ist als Mut. Weil Mut immer bestraft wurde. Weil es leichter war, sich klein zu machen, als noch einmal ausgelacht oder erniedrigt zu werden.
Und jetzt lachen sie, weil du ihrer Form entsprichst. Weil du still bist. Angepasst. Weil du so geworden bist, wie sie es wollten – und dich trotzdem dafür schämen sollst.
Stell dir vor, jemand schnürt dir jahrelang die Füße ab. So fest, dass du kaum noch gehen kannst. Und dann schaut dieser Jemand dich an, als du endlich wankend aufstehst, und sagt: „Was ist los? Warum kannst du nicht laufen?“
So fühlt es sich an. Genau so.
Wie zeigt sich nicht vorhandene Authentizität im Leben eines Erwachsenen?
Vielleicht merkst du es gar nicht.
Vielleicht glaubst du, dein Leben ist eben so. Dass es normal ist, sich jeden Tag leer und müde zu fühlen. Dass es dazugehört, morgens aufzustehen und schon dieses Gewicht auf der Brust zu spüren. Dieses ständige Gefühl von „irgendwas stimmt nicht“, aber keine Ahnung, was es ist.
Vielleicht denkst du, das sei einfach das Leben.
Dass Zufriedenheit eine Illusion ist.
Aber es ist kein Leben.
Es ist das Ergebnis. Das Resultat davon, dass du irgendwann aufgehört hast, du selbst zu sein.
Es zeigt sich in kleinen Momenten wie diesen:
- Wenn du auf eine Frage keine ehrliche Antwort gibst, weil du nicht anecken willst.
- Wenn du nickst und „Ok“ sagst, obwohl alles in dir sich wehrt.
- Wenn du schweigst, obwohl du etwas sagen willst.
- Wenn du „Es geht mir gut“ sagst, obwohl du nachts leise ins Kissen weinst.
Es zeigt sich in deiner Angst, gesehen zu werden.
Es zeigt sich, wenn du denkst, andere Menschen gucken dich schräg an.
Wenn du glaubst, sie lachen hinter deinem Rücken.
Es zeigt sich, wenn du den Blick senkst.
Wenn du unsicher wirst, obwohl es keinen Grund gibt.
Wenn du dich im Gespräch selbst unterbrichst, weil du Angst hast, etwas Falsches zu sagen.
Es zeigt sich, wenn du nicht weißt, was du willst.
Wenn du bei jeder Entscheidung zweifelst, weil du nie gelernt hast, deinem eigenen Gefühl zu vertrauen.
Es zeigt sich in deiner Erschöpfung.
In dieser bleiernen Müdigkeit, die niemals weggeht. Weil du jeden Tag eine Rolle spielst – weit entfernt von deiner Authentizität. Weil du jeden Tag deine Maske trägst, die dein wahres Ich vollständig versteckt. Weil du glaubst, dass es das ist, was von dir erwartet wird.
Es zeigt sich sogar in deinem Lächeln.
Dieses Lächeln, das du aufsetzt, obwohl dir nicht danach ist. Dieses „Ich schaff das schon“-Lächeln. Dieses „Ich komm klar“-Lächeln. Dieses Lächeln, das nichts mit Freude zu tun hat, sondern mit Überleben.
Und du weißt es.
Du weißt es längst.
Aber es tut so weh, hinzuschauen.
Weil du dann sehen müsstest, wie viel du von dir selbst verloren hast.
Wie sehr du dich verraten hast, nur um durch den Tag zu kommen.
Wie lange du dich schon selbst belügst, einfach weil du nicht weißt, wie du es anders machen sollst.
Und vielleicht glaubst du, es ist zu spät. Dass das eben jetzt dein Leben ist. Dass es nicht anders geht.
Aber das ist die größte Lüge von allen. Authentizität? Fehlanzeige.
Woher ich das alles so genau weiß? Die Antwort ist so einfach wie sie bitter ist. Eigene Erfahrungen. Über Jahrzehnte gesammelt.
Und heute bin ich hier. Ein anderer Mensch. Authentisch, echt, manchmal verdammt unbequem mit meinem „Ich weiß, was ich will. Und es ist mir egal, wer damit ein Problem hat.“
Vorsicht: Verstehe dich in deinem Wunsch nach Authentizität nicht selber falsch!
Ich hatte einmal eine Klientin. Sie wusste genau, was sie brauchte: Mehr Zeit für sich selbst. Mehr Freiheit. Mehr Atem.
Aber sie steckte fest.
Jeden Sonntagmittag deckte sie den Tisch für ihre erwachsene Tochter und deren Lebensgefährten.
Jeden. Einzelnen. Sonntag.
Weil es immer schon so war.
Weil „man das eben so macht“.
Und jedes Mal, wenn sie den Tisch deckte, deckte sie auch ihre eigenen Wünsche zu. Legte eine Serviette über das, was sie wirklich wollte. Packte ihre Sehnsucht zwischen Besteck und Gläser.
Dabei war ihr Wunsch so schlicht, so klein, dass es fast schmerzte.
Sie wollte einfach nur raus.
Sich einer Gruppe von Frauen anschließen, die jeden Sonntagmittag walken gingen. Nicht weit, nicht lang. Einfach nur für sich. Atmen. Laufen. Spüren, dass sie lebt.
Aber sie traute sich nicht.
Denn da war dieser eine Satz.
„Tu, was du willst – und schade niemandem.“
Und sie war überzeugt, sie würde ihrer Tochter schaden, wenn sie das Mittagessen absagt.
Dass sie sie verletzen würde. Dass sie eine schlechte Mutter wäre.
—
Liebe*r Leser*in, ich lasse das jetzt einfach mal so stehen.
Was denkst du?
Was würdest du meiner Klientin raten?
Du hast dich beim Lesen gerade – zumindest in Ansätzen – wiedererkannt?
Lass uns gern reden und schauen, ob ich dich bei der Suche nach Authentizität unterstützen kann!